The Who

Sat, 01 September 1979:

Nuremberg, Zeppelinfeld

Setlist

Substitute
I Can't Explain
Baba O'Riley
The Punk And The Godfather
Boris The Spider
Sister Disco
Behind Blue Eyes
Music Must Change
Drowned
Who Are You
5.15
Pinball Wizard
See Me Feel Me
Trick Of The Light
My Generation
Join Together
Blue Blue Blue
Magic Bus
Won't Get Fooled Again

Encore:
My Wife
The Real Me

Note

The venue is the "Zeppelinfeld", Nuremberg doesn't have an "Olympic Stadium".

Fanreports

Thomas Fuchs

The Who in Nürnberg oder: Die townsendsche Kanonade vom Zeppelinfeld

"The Who and more" kündigte die Plakatwerbung an. So sollte also der Traum meiner späten Jugend noch wahr werden werden... am 1. September 1979 düsten wir zu viert in einem alten Opel in das 300 km entfernte Nürnberg. Das Open Air Festival fand auf dem Zeppelinfeld statt, wo schätzungsweise über 70.000 Menschen versammelt waren. Es war mein erstes großes Open Air und ich habe nie wieder derart riesige Lautsprechertürme gesehen, die mit Stoff mit einem Who-Emblem mit Löwenkopf (!) bespannt waren.

Zum Tagespogramm zählten schon damals große Bands wie die Scorpions oder AC/DC. Ein weiteres Highlight des Tages war Miriam Makeba. Daneben Gruppen, die mit Ausnahme von Cheap Trick heute wohl nur noch wenig bekannt sind: Edo Zanki, Nils Lofgren und die Steve Gibbons Band.

Nun denn: Das Tagesprogramm ging vorüber, die Sonne, die für einen glühend heissen Tag gesorgt hatte, ging unter und es kündigte sich eine tropische Nacht an; der klare Sternenhimmel über uns. Die perfekte Szenerie für das große Comeback, alles war bereitet, dass The Who could blow your mind away... Es gab aber durchaus kritische Stimmen im Vorfeld: The Who, die zuletzt 1975 in Deutschland aufgetreten waren, in die Jahre gekommen? Würden sie es nach dem Tod von Moon noch bringen?

Nach meiner Erinnerung war es etwa 21.00 Uhr. Es war schon dunkel, als in den vorderen Reihen der Fans Jubel ausbrach. Irgendein Gutmensch, der jede Band des Tages mit warmen Worten angekündigt hatte, kam gar nicht mehr dazu, etwas zu sagen. Und dann wurde es wirklich wahr, The Who kamen auf die Bühne, und dann dröhnte auch schon das Intro von Substitute los, dem Can't Explain folgte - they are back again! Beim dritten Stück, Baba O Reilly, wurde endgültig klar, das es großartig werden würde und wie klar der Sound der Who war. Das war bei den Bands des Vorprogramms beileibe nicht immer so gewesen. Die Höhen waren mitunter bis an die Schmerzgrenze übersteuert gewesen (auch bei dem Auftritt der Who waren die Höhen betont, eine Aufnahme aus dem Publikum, die ich Jahre später gehört habe, ist deshalb erfreulich klarer als das dumpfe Geschrammel, dass bei alten Amateuraufnahmen eher die Regel ist).

Die Band: Ein "bewährt-bekannter" Townsend im gelben Hemd und lila Hosen mit wilden Luftsprünge und Windmühlenarmen. Ein "neuer" Daltrey mit Kurzhaarschnitt und schlichtem schwarzem T-shirt. gegen Ende des Konzertes bekam RD etwas stimmliche Probleme, hielt aber letztlich durch. John Entwistle wie gewohnt ganz cool in seiner Ecke mit glitzerbestickter Jacke. Kenney Jones ganz sachlich, ganz in schwarz (Anmerkung für alle Kenney-Feinde unter den Who-Fans: Kenney trommelte großartig, auch wenn seine Arbeit auf der 1981 erschienenen Face Dances etwas durchschnittlich wirken mag. Hätte es den liebenswert-wahnsinnigen Keith Moon nicht gegeben, Kenney wäre nie in Frage gestellt worden. Er ist halt einfach nicht Keith Moon und ein sachlicherer Typ). John Bundrik war damals neu in der Band. Er wurde vorgestellt, blieb aber im Hintergrund. Dazu ein Quartett von 4 Blechbläsern auf der Bühne, die bei verschiedenen Songs, vor allem bei Music must change und 5.15 zum stimmigen Sound beitrugen.

Die Band machte eine faszinierende Zeitreise durch die Who-History (ich kann die Setliste auf Deiner Website auch bestätigen). Darunter das grandiose The Punk and the Godfather aus Quadrophenia. Vier Stücke aus dem (damals) neuen Who are you - Album, darunter das (rückblickend) sehr selten live gespielte Trick of the light. Für die Fans waren diese neuen Who-Songs noch ziemlich ungewohnte Klänge, die zwar sehr wohlwollend, aber noch nicht mit Enthusiasmus aufgenommen wurden. Bei Pinball Wizard hatte die Band einen kleinen Aussetzer - weniger als eine Sekunde nur, dann spielten sie weiter, als ob nicht gewesen wäre. Danach See me, feel me. Und da setzte das erste Mal die große Lasershow ein. Zwei riesige Lichtröhren schoben sich unter dem überraschten Raunen der 70.000 plötzlich in den Nachthimmel. Nach diesem Ausflug zu Tommy weitere Who-Klassiker, My Generation, dem das wundervoll stimmungsvolle Join Together folgte, ein gedehntes Magic Bus mit einer Improvisation, und dann schließlich das grande finale: Won't get fooled again. Mein Gott, welche Band kann mit solch einem Schluss aufwarten? Bei WGFA kamen sie dann unter dem Raunen der 70.000 wieder: Lange, rotierende Lichtstäbe der Lasershow zeichneten Muster an den Nachthimmel, dann der Urschrei von Roger Daltrey, die krachenden Schlussakkorde unter dem Einsatz der gesamten Lightshow. The Who verließen unter Riesenjubel die Bühne, die Menge halb geblendet und halb betäubt. Zur Feier des Tages ein Meer von Lichtpunkten aus Feuerzeugen unter den den 70.000. "Like Christmas" dankte Roger Daltrey fast gerührt. Pete Townsend kam auf die Bühne zurück und sagte einige Worte. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass er den Tod von Keith Moon im Vorjahr erwähnte. Und dann machte es noch mal richtig ramm-bamm mit den Zugaben My Wife und The Real me, die Lasershow zeichnte Lichtpyramiden in den lauen Nachtimmel. Und dann nahm Pete die Gibson les Paul und sagte auf englisch: Das mache ich jetzt nur für Euch -----und zertrümmerte die Gitarre -yeah!!

Wir verließen wie halb im Traum die denkwürdige Stätte des großen Who-Comebacks in Deutschland. War es wirklich wahr gewesen? Doch, wir haben sie wirklich erlebt. Unter allen Konzerten, die ich erlebt habe, war dieses das schönste und stimmungsvollste. Nach der Kanonade von Valmy hat Goethe jene berühmten Worte geschrieben, die ich mir für den 1.9.1979 hiemit erdreiste, zu sagen: The Who in Nürnberg -wir können sagen, wir sind dabei gewesen.

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